Würdiger Abschied

Walter Blum an der Christuskirchen-Orgel

Nach fast vierzehnjähriger Organistentätigkeit an Eislingens Christuskirche verabschiedete sich Hans Walter Blum mit einem schönen Spektrum Orgelmusik am vergangenen Pfingstmontag, 24. Mai 2021. Einerseits konnte die gottesdienstliche Gemeinde Blums Kunst in Orgelspiel und Improvisation zu den geistlichen Gesängen der „Schola“ genießen, andererseits im geschickt ausgewählten Postludium, bzw. Orgelnachspiel zum Pfingstchoral „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“ (BWV 631) von Johann Sebastian Bach aus seinem „Orgelbüchlein“ – jedoch nur der erste Teil mit dem Sopran-Cantus firmus und dem fröhlich-tänzerischen „Unterbau“ von Alt- und Tenorstimme mit nachgesetzten Baß-Tönen. Im sich unmittelbar anschließenden zweiten Abschnitt kam dann durch Walter Blums gekonntes Spiel die durchgehende Sechzehntel-Bewegung in den Oberstimmen sehr klar zum Ausdruck. Alles gestützt durch den zeilenweise einsetzenden Bass-Choral: Ein wahres Meisterstück Bachs aus seinem großen Schaffen.
Nach einer Verschnaufpause präsentierte der Orgelkünstler der aufmerksamen Zuhörerschaft in einer Matinée sodann Kompositionen aus der Orgelromantik deutscher und französischer Provenienz. Mit einer knappen Einführung schilderte Walter Blum die klanglichen Charakteristika der einzelnen Orgelwerke, die dann in der gekonnten Registrierung umgesetzt wurden.
Zum ersten erklangen die klangvollen Flötenregister des ersten und zweiten Manuals in Felix-Mendelssohn-Bartholdys „Thema mit Variationen“; sodann die Streicherregister in César Francks „Andantino“. Danach kamen die Zungenregister (Oboe, Trompeten und Posaune) im „Menuet gothique“ von Léon Boëllmann (1862-1897) zum Zuge. Letztlich brachte der Orgelkünstler Walter Blum die „Introduktion und Passacaglia“ in e-Moll (opus 132) von Joseph Gabriel Rheinberger (1839-1901) aus seiner Sonate in e-Moll zum Vortrag. Unter dem von Blum ausgewählten Aspekt „Vom Pianissimo bis Fortissimo/Tutti“ erklang einleitend die nicht als solche bezeichnete Introduktion mit klanglich kräftigen Akkordklängen in kühner Harmonik. Im Anschluss daran ertönte im starken Kontrast das kaum hörbare Ostinato-Thema. In den folgenden 24 Variationen „errichtet Rheinberger ein imponierendes Gebäude von Figuren- und Charaktervariationen, die in breitem Fluß einhergehen, einen ruhigen und leisen Mittelteil streifen und den krönenden Abschluß dadurch erreichen, dass das Eingangsmotiv des ersten Satzes wiederaufgenommen wird“ (so nachzulesen im „Reclams Orgelführer“ S. 223).
Die aufmerksame Hörergemeinde des Gottesdienstes und der konzertanten Matinée dankte dem Orgelkünstler Walter Blum für seinen hoch-konzentrierten Einsatz auf dem klanglich einmaligen restaurierten Link-Mühleisen-Instrument mit kräftigem Applaus.
Herzliche und würdigende Abschiedsworte gaben Pfarrerin Ursula Pelkner und Ingrid Sing, Sprecherin des Kirchenmusikausschusses der Christuskirche, Walter Blum mit auf die Reise in den wohlverdienten „Unruhestand“, nicht ohne der Hoffnung Ausdruck zu geben, dass die Gemeinde sich auf ein gelegentliches Wiedersehen und –hören in der kommenden Zeit freuen darf.
(Eckhart Naumann)